Leben mit Kind

Ich vermiete mein Auto und sage euch warum

Ich habe ein Auto. Genau genommen haben wir zwei Autos, denn der Mann hat auch eins. Und so sieht es wohl in den meisten Familien aus. Zwei Autos sind nichts Ungewöhnliches. Laut einem Bericht der Tagesschau vom 05. März diesen Jahres sind in Deutschland aktuell knapp 46,5 Millionen Autos zugelassen. Eigentlich verrückt, oder?

Warum zwei Autos?

Bei uns war es bedingt durch unsere Jobs in der Vergangenheit auch notwendig, zumindest dass der Mann ein Auto hat. Ich versuchte mich ein Jahr lang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Hier im Rhein-Main Gebiet ist es durchaus eine Option, denn die Verbindungen sind gut.

Und doch entschied ich mich 2013 zum Kauf eines eigenen Wagens.
Es war für mich das erste Auto, das ich mir selber kaufte, das ich mir selbst aussuchte. Das habe ich mir geleistet und ich gebe zu, dass es mich damals auch stolz machte.

Ich bin auch heute noch sehr zufrieden mit dem kleinen Flitzer. Seit dem hat sich aber so einiges verändert. Inzwischen wohnen wir in der Stadt in der ich auch arbeite – das heißt, ich fahre schneller mit dem Fahrrad zur Arbeit als mit dem Auto. Zudem erledige ich vieles mit dem Fahrrad. So steht mein kleiner Flitzer mehrere Tage in der Woche einfach nur rum.

So wie die meisten Autos, die man so sieht. Das wurde mir noch einmal besonders deutlich, als meine kleine Tochter die Liebe zu Autos entdeckt hat und mich auf JEDES Auto aufmerksam machte, dass sie entdeckte.

Ja hier stehen wirklich viele Autos, die ganze Straße steht voller Autos, hörte ich mich irgendwann zu ihr sagen…

Ein Auto verkaufen?

Parallel dazu gab es bei uns tatsächlich die Überlegung mein Auto zu verkaufen, weil es eben zum Großteil auch eines dieser Autos in unserem Viertel war, das einfach nur rumsteht.

Und das überlegten wir uns dann im Detail und wägten ab. Das Ergebnis: Ich behalte mein Auto. Aber: Ich vermiete es.
Ich vermiete es an Studenten, die kein Auto haben, ich vermiete es an Familien, die zwar ein Auto haben und an bestimmten Tagen einen Engpass haben und ein weiteres Fahrzeug benötigen. Ich vermiete es an Paare, die kein Auto haben und einen schönen Wochenendausflug ins Grüne machen wollen. Ich habe schon so viele Geschichten gehört…

Das Auto vermieten?

Aber der Reihe nach? Das Auto vermieten? Ja klar, AIRBNB fürs Auto sozusagen.

Und es ist wirklich einfach, das zu tun.
Ich habe mein Auto bei Drivy angemeldet. Drivy ist eine Plattform, wo sich Vermieter und Mieter privater Fahrzeuge treffen.

Dort ist das eigene Auto mit wenigen Klicks eingestellt. Ein paar Fotos, ein paar Details zum Wagen, Zubehör etc. Man bekommt sogar eine Preisempfehlung, also den Preis, denn man für ein solches Auto pro Tag und x-km verlangen kann…
Die vollständige Adresse wird dem Mieter dann erst bei Vermietung mitgeteilt.

Warum habe ich mich denn für das (Be-)halten des Autos entschieden?

1. Ein Auto ist kein Auto – für mich

Wir hätten bei Verkauf zwar immer noch ein Auto gehabt, aber darauf habe ich so gut wie keinen Zugriff, da der Mann es tatsächlich braucht um auf die Arbeit zu fahren. Zudem kommt, dass der Mann auch oft am Samstag arbeitet. Da bleiben nicht so viele Möglichkeiten für mich das Auto zu nutzen.

2. Ich bin gerne spontan und will flexibel sein.

Sicherlich bin ich sehr strukturiert und verplant, was viele Bereiche in meinem Privatleben angeht, aber wenn ich spontan etwas machen möchte, habe ich keine Lust dies mit Vorlauf planen zu müssen und mich in die Abhängigkeit von anderen zu begeben. Dann soll es losgehen. Nehmen wir zum Beispiel einen Besuch der Oma-Mama. Wenn ich das zusammen mit der kleinen Madame unter der Woche machen wollte, muss ich dazu mit den Öffentlichen 1,5 Stunden Zeit einplanen – für einen Weg versteht sich. Heißt also, dass wir an einem Nachmittag unter der Woche 3 Stunden in Bus und Bahn unterwegs wären. Äähm, nein, das macht mir keinen Spaß.

3. Finanziell gesehen…

Moneytalk: Warum nicht noch mit dem kleinen Flitzer etwas Geld verdienen? Für einen Tag bekomme ich knapp 20€. Für viele ist ein eigenes Auto nicht zu finanzieren. Eine Anschaffung ist immer mit einer Investition verbunden. Zudem kommen Wartungskosten, Benzin und Reparaturen dazu. Das sind heute viele  Menschen nicht mehr bereit zu bezahlen. Sie haben aber ja trotzdem hin und wieder den Bedarf mit einem Auto irgendwohin zu fahren. Da kommen viele Geschichten zusammen kann ich euch sagen. Da habe ich schon viel gehört. Und jedesmal habe ich gedacht, ja es ist richtig, das Auto zu teilen und anderen zur Verfügung zu stellen.

4. „Sharing Economy“ – Teilen, was man hat…

Wir haben alles und das oft doppelt und dreifach. Konsum ist immer ein riesen Thema. Oft gehen wir viel zu selbstverständlich damit um. Ich oder besser wir versuchen im Alltag schon bewusster zu leben. Kurzfristige Wünsche zu hinterfragen, die tatsächliche Notwendigkeit in Frage zu stellen und auch mal zu verzichten…

Unter diesem Aspekt habe ich die ganze Auto-Thematik natürlich auch getrachtet. Musste aber zu dem Ergebnis kommen, dass ich gerne teile. Aber ganz auf mein Auto verzichten ? Das möchte ich nicht. Und ich möchte gern der Bestimmer bleiben.
Denn es wäre ja auch eine Option gewesen, dass ich mir Autos auf Plattformen wie Drivy oder Getaway miete. Das gestaltet sich dann aber mit Kind und benötigtem Kindersitz doch etwas planungsintensiver. Außerdem macht das finanziell auch für mich keinen Sinn, mein Auto zu verkaufen und auf der anderen Seite dann regelmäßig Geld in andere Fahrzeuge zu stecken.

5. Ich fahre gerne Auto

Das ist kein rationaler Grund, sondern einer „aus dem Bauch heraus“ und ihr lest ja hier auch auf „Unser Bauchgefühl“ ;-), nicht wahr?

Und was sagt mein Umfeld?

„Du vermietest dein Auto?“ – Ganz große Augen, gepaart mit etwas Verständnislosigkeit schauten mich an und untermalten diese Aussage. „Ja, warum denn nicht? Ich brauche es den Großteil der Woche nicht und finde es unnötig, dass es so viel Zeit einfach rumsteht. Das leuchtet den meisten dann auch ein…

Aber ihr seht, der alte Spruch „Das Auto, der Deutschen liebstes Kind“ hat hier noch viel Wahres.

Die meisten sind dann aber interessiert, wie das so läuft und was ich für Erfahrungen machen.
„Dir pupsen fremde Menschen in den Sitz“, war dann definitiv einer der witzigsten Kommentare, den ich zu hören bekam…

Mein Fazit

Ich hänge nicht emotional an meinem Auto,. Ja ich fahre gerne Auto, so grundsätzlich und ich schätze Autos als Fortbewegungsmittel. Mein Auto soll meine Familie und mich sicher und einfach von A nach B bringen. PUNKT
Auch wenn ich mal ein anderes Auto besitzen werde, werde ich es immer gerne vermieten, denn ich bin überzeugt davon, dass es absolut richtig und wichtig ist, zu teilen.
Egal ob ich derjenige bin, der sein Gut mit anderen teilt, oder ob ich derjenige bin, der auf das Gut anderer zurück greift.

Meine Erfahrungen bisher sind bis auf ein, zwei Ausnahmen, (nein, hier ist nichts passiert, es ging eher um Zuverlässigkeit) durchweg positiv und ich kann es jedem nur empfehlen, egal ob als Mieter oder Vermieter.
Zum Abschluss zitiere ich gerne Dominika von From Munich with love, die in einem ihrer Blogartikel beschrieben hat, warum sie sich gegen ein Auto entschieden haben.

Sie sagt, „Ein Pkw ist manchmal eine Notwendigkeit, manchmal aber auch nur eine Möglichkeit.“
Für mich überwiegt aktuell die Notwendigkeit. Vielleicht ändert sich das irgendwann, wer weiß.

Bis dahin freue ich mich, wenn noch mehr Menschen anfangen zu teilen und sich einfach Gedanken über genau dieses Thema machen.

Alles Liebe,
Susanne

 

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